Die Wetterglocke von Tramin

Es war in Tirol Brauch, dass jedes Dorf eine Wetterglocke besaß, die bei drohendem Hagelfall geläutet wurde, um den Fall der eisigen, zerstörenden Steine zu verhindern.

Wenn es einmal doch hagelte, gab man dem Mesner die Schuld, dass er zu spät geläutet hätte. Die große Glocke in Tramin war jene, die das Dorf bei starkem Unwetter schützte. Einmal kam ein Handel mit den Kalterern im Nachbardorf zustande. Diese wollten die Glocke kaufen, da der Hagel, den die Traminer vertrieben, immer über Kaltern herabfiel, wenn diese große Glocke läutete. Der Kauf wurde gemacht, und die Traminer luden die Glocke auf eine Wagen und spannten sechs Paar Ochsen an. Doch der Wagen war nicht fortzubewegen. Als 25 Paar Ochsen vorgespannt waren, begann die Glocke zu sprechen:

Sancta Maria Anna heiß i,
schön bin i, das weiß i,
im Traminer Turm bleib i,
die schiech’n Wetter vertreib i

Nun war den Traminern klar: Sie mussten den Handel rückgängig machen, die Kalterer mussten es einsehen. Nun zogen zwei Ochsen die Glocke zum Traminer Turm zurück.

frei nach “Südtiroler Sagen”
von Bruno Mahlknecht (Verlag Athesia)

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